Biogas 4 min read
13. Jan 2026

Wie entsteht Biogas? Der faszinierende Weg vom Abfall zur grünen Energie

Vom Misthaufen zur Megawattstunde: Wie verwandeln Bakterien Gülle und Pflanzenreste in wertvolle Energie? In diesem Beitrag erklären wir die vier Phasen der Biogas-Entstehung einfach und verständlich.
Wie entsteht Biogas?

Biogas ist der heimliche Riese der Energiewende. Während Wind und Sonne pausieren, blubbert es in den Fermentern in ganz Deutschland weiter. Es ist ein zentraler Baustein für eine stabile Energieversorgung, gewonnen aus organischen Stoffen, die in der Landwirtschaft oder im kommunalen Abfallmanagement ohnehin anfallen.

Doch was passiert eigentlich hinter den dicken Betonwänden einer Biogasanlage? Wie wird aus Gülle, Pflanzenresten oder Bioabfällen ein brennbares Gas, das Turbinen antreibt und Häuser heizt?

In diesem Beitrag nehmen wir Sie mit auf die Reise in den Fermenter. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, wie die Biogas-Entstehung funktioniert, welche biologischen Phasen dabei ablaufen und warum dieses Verfahren der Schlüssel zu einer echten Kreislaufwirtschaft ist.

Was ist Biogas eigentlich?

Biogas ist ein energiereiches Gasgemisch, das überwiegend aus Methan (CH₄) und Kohlendioxid (CO₂) besteht. Es ist das Endprodukt eines natürlichen Zersetzungsprozesses: der anaeroben Vergärung. Das bedeutet, dass organisches Material unter Ausschluss von Sauerstoff (Luftabschluss) von Mikroorganismen abgebaut wird.

Der wichtigste Unterschied zu fossilem Erdgas liegt im Faktor Zeit: Während Erdgas über Millionen von Jahren entstand, lässt sich Biogas in wenigen Wochen erzeugen. Da bei der Verbrennung nur so viel Kohlenstoffdioxid frei wird, wie die Pflanzen vorher aufgenommen haben, gilt es als klimaneutral und ist ein wichtiger erneuerbarer Energieträger.

Der Maschinenraum der Natur: So läuft die Biogasproduktion ab

Die Biogasproduktion findet in einem geschlossenen Behälter statt, dem Fermenter (auch Faulbehälter genannt). Hier schaffen Anlagenbetreiber das perfekte Klima für Milliarden von Bakterien. Damit diese fleißigen Helfer effizient arbeiten und eine hohe Methanbildung garantieren, müssen Temperatur (meist 35–40 Grad Celsius) und pH-Wert konstant bleiben.

Als Einsatzstoffe (Substrate) dienen:

  • Nachwachsende Rohstoffe: Zum Beispiel Energiepflanzen wie Mais oder Raps.
  • Reststoffe: Organische Abfälle, Speisereste oder Bioabfälle aus der Industrie.
  • Wirtschaftsdünger: Gülle und Mist aus der Tierhaltung.
Raps als Energiepflanze

Die 4 Phasen der Biogas-Entstehung

Was im Fermenter passiert, ist mikrobiologische Schwerstarbeit. Der Vergärungsprozess lässt sich in vier Stufen unterteilen, die fließend ineinandergreifen:

  1. Hydrolyse (Die Vorbereitung): Die Bakterien knacken die langen Ketten der organischen Stoffe. Komplexe Moleküle wie Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße werden in einfache Bausteine (Zucker, Fettsäuren) zerlegt. Ohne diese Vorarbeit wäre das Material für die methanbildenden Bakterien unverdaulich.
  2. Acidogenese (Die Versauerung): Säurebildende Bakterien wandeln die gelösten Stoffe weiter um. Es entstehen organische Säuren, Alkohole, Wasserstoff und Kohlendioxid. In dieser Phase riecht das Substrat säuerlich – ähnlich wie Silage.
  3. Acetogenese (Die Essigbildung): Jetzt entstehen die direkten Vorstufen des Methans. Die Abbauprodukte werden zu Essigsäure umgewandelt. Dieser Schritt ist kritisch: Läuft er zu schnell oder zu langsam, kippt das Milieu im Fermenter.
  4. Methanogenese (Die Methanbildung): Im Finale treten die Methanbakterien (Archaeen) auf den Plan. Sie wandeln die Essigsäure und den Wasserstoff unter striktem Luftabschluss in das gewünschte Biogas (Methan und CO₂) um.

Das Ergebnis: Mehr als nur heiße Luft

Am Ende dieses Prozesses stehen zwei wertvolle Produkte:

  1. Das Biogas: Ein brennbares Gas mit einem Methangehalt von ca. 50–70 %. Es kann direkt vor Ort im Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Stromerzeugung und Wärmeerzeugung genutzt werden (Kraft-Wärme-Kopplung). Alternativ wird es zu Biomethan (Bioerdgas) aufbereitet, um Erdgasqualität zu erreichen, und steht dann für die Einspeisung in das Erdgasnetz bereit.
  2. Die Gärreste: Was nach der Vergärung übrig bleibt, ist weit mehr als Abfall. Die Gärreste sind ein hochwertiger, geruchsarmer Dünger. Die Nährstoffe sind für Pflanzen nun leichter verfügbar als in der rohen Gülle. So schließt sich der Kreis der Kreislaufwirtschaft.

Einflussfaktoren auf Qualität und Menge

Nicht jede Anlage liefert gleich viel Energie. Die Ausbeute in Kilowattstunden hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Substrat-Mix: Energiepflanzen liefern meist mehr Gas als Gülle, doch die Mischung macht’s. Organische Reststoffe sind oft günstiger und ökologisch sinnvoller, können aber Störstoffe enthalten.
  • Verweilzeit: Die Bakterien brauchen Zeit. Zu kurze Verweilzeiten bedeuten, dass Potenzial ungenutzt im Gärrest landet.
  • Störstoffe: Stoffe wie Schwefelwasserstoff oder Ammoniak können den biologischen Prozess hemmen und müssen überwacht werden.

Ist Biogas der Wegbereiter für eine nachhaltige Zukunft?

In einem zukunftsfähigen Energiemix spielt Biogas eine zentrale Rolle. Es gleicht als speicherbare Energiequelle die Schwankungen von Wind und Sonne im Stromnetz aus. Besonders dort, wo organische Reststoffe ohnehin anfallen, ist es unschlagbar.

Zwar gibt es Diskussionen über Nachteile von Biogas (z. B. Flächenkonkurrenz durch Anbaufläche für Mais), doch der Trend geht klar zu Reststoffanlagen und der Nutzung von Gülle und Bioabfällen. Damit wird Biogas vom landwirtschaftlichen Nebenprodukt zum systemrelevanten erneuerbaren Energieträger.

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Der biologische Prozess liefert den Brennstoff, doch die Umwandlung in Strom und Wärme übernimmt der Motor. Da Biogas je nach Substrat in seiner Qualität schwankt und aggressive Bestandteile wie Schwefel enthalten kann, sind die Anforderungen an die Technik hoch.

PowerUP als Ihr Partner im Biogas-Sektor

PowerUP unterstützt Betreiber mit über 15 Jahren Erfahrung dabei, ihre Anlagen wirtschaftlich zu betreiben. Wir bieten hochwertige Ersatzteile und Services, die unter anderem passend für Gasmotoren von Jenbacher®, MWM®, MAN®, CAT® und weitere Hersteller sind.

Unser Fokus liegt auf Langlebigkeit und Zuverlässigkeit. Mit zustandsbasierten Überholungen und widerstandsfähigen Komponenten sorgen wir dafür, dass Ihr Blockheizkraftwerk auch bei schwankender Gasqualität bestmöglich läuft.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Biogas-Entstehung

Wie lange dauert es, bis Biogas entsteht?

Was ist der Unterschied zwischen Biogas, Klärgas und Deponiegas?

Warum stinkt eine Biogasanlage nicht?

Kann man Biogas ins Erdgasnetz einspeisen?

Welche Rolle spielt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)?

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